Schon als Kind wurde er einer geheimen Organisation übergeben, die Informationen höher schätzte als Menschenleben. Für sie war ein Changeling kein Kind, sondern das perfekte Werkzeug. Sie nahmen ihm seinen Namen, seine Vergangenheit und schließlich jede feste Identität. Jeden Tag war er jemand anderes – Bettler, Adliger, Soldat, Priester oder Diener. Fehler wurden bestraft, Zweifel ausgelöscht. Sein einziger Wert bestand darin, jede Rolle perfekt zu spielen.
Mit den Jahren verschwand die Grenze zwischen Maske und Wahrheit. Nach jeder Mission fiel es ihm schwerer, sich daran zu erinnern, welche Gedanken seine eigenen waren. Er begann sich selbst Fragen zu stellen, auf die er keine Antwort mehr hatte: Welche Stimme ist meine? Welches Gesicht gehört wirklich mir?
Die Organisation bemerkte seinen geistigen Verfall und schickte ihn auf seine letzte Mission: die Erkundung einer uralten Ruine, in der angeblich ein Tor zu einer fremden Leere existierte.
Dort fand er nicht den Tod.
Er fand die Void.
Sie sprach nicht mit Worten. Sie sprach mit Bedeutungen, Erinnerungen und Widersprüchen zugleich. Während andere in ihrem Flüstern den Verstand verloren hätten, erkannte er etwas Seltsames: Zwischen all dem unbegreiflichen Chaos gab es keine Erwartungen. Niemand verlangte, dass er jemand Bestimmtes war.
Als er Tage später zurückkehrte, war er verändert. Seine Augen wirkten leer und gleichzeitig unendlich wach. Er sprach manchmal in einer Sprache, die kein Sterblicher verstehen konnte – der Sprache der Void. Schatten reagierten auf seine Worte, Raum und Wirklichkeit schienen sich für einen Augenblick zu verbiegen, und Magie floss aus ihm, als würde sie aus den Rissen der Realität selbst stammen.
Die Organisation erklärte ihn für unbrauchbar und versuchte, ihn zu beseitigen.
Sie scheiterte.
Seitdem wandert er rastlos durch die Welt. Für Außenstehende ist er wahnsinnig. Er lacht über Dinge, die niemand sieht, führt Gespräche mit unsichtbaren Gesprächspartnern und wechselt sein Gesicht mitten in einem Satz. Seine Entscheidungen wirken zufällig, seine Gedanken sprunghaft und unverständlich.