
Level
2
Experience
1 XP
Gold:
15
Klasse:
Ranger
Completed:
1
Upcoming:
1
Most recent:
7 days ago
Zephyros erinnert sich nicht an ihre ersten Tage – nur an das Gefühl von Wind auf ihren Federn und an das ferne Echo eines Rufes, den sie bis heute nicht ganz versteht. Man fand sie als Säugling, hoch oben auf einer schroffen Klippe nahe einer abgelegenen Bastion in den Grenzlanden von Aventyr. In grobes Tuch gewickelt lag sie dort, ruhig und wach, als hätte man sie nicht ausgesetzt, sondern bewusst an genau diesem Ort zurückgelassen.
Die Wächter nahmen sie mit in die Sturmnest-Bastion, eine steinerne Zuflucht zwischen dichten Wäldern und zerklüfteten Bergen. Dort wuchs Zephyros auf, umgeben von Rangern, Spähern und Kriegern, die das Gleichgewicht zwischen Zivilisation und Wildnis schützten. Schon früh zeigte sich, dass sie anders war. Während andere Kinder lachten und spielten, suchte sie die Höhe der Türme oder verschwand lautlos im Wald, als würde sie von etwas Unsichtbarem gerufen werden.
Der Wald wurde ihr Lehrer. Sie lernte, Spuren im Laub zu lesen, den Flug der Vögel zu deuten und die kleinsten Veränderungen im Wind zu spüren. Für die anderen war es Training – für Zephyros war es Instinkt.
Eines Tages, als sie noch sehr jung war, führte dieser Instinkt sie tief in die Berge. Dort hörte sie das verzweifelte Kreischen eines Wesens, das sie nie zuvor gesehen hatte: ein Greifenjunges, gefangen in den Netzen von Wilderern. Ohne zu zögern griff sie ein. Klein und schnell bewegte sie sich zwischen den Männern hindurch, schnitt die Fesseln auf und lenkte sie gerade lange genug ab, damit das Jungtier entkommen konnte. Als man sie später fand, war sie erschöpft und verletzt – doch in ihren Augen lag ein unerschütterlicher Trotz.
Seit jenem Tag erzählen die Wächter, dass hoch über der Bastion ein Greif kreist, wann immer Zephyros sich in Gefahr befindet. Sie selbst spricht nie darüber.
Was sie jedoch noch weniger mit jemandem teilt, ist das Geheimnis ihrer Herkunft. In dem Tuch, in das sie als Baby gehüllt war, verbirgt sich ein seltsames Zeichen – ein Falke aus silbernen Fäden, dessen Schwingen von Sternen durchzogen sind. Sichtbar wird es nur im Mondlicht. Und manchmal, wenn der Wind durch die Bäume zieht, meint Zephyros, eine Stimme zu hören. Kein klares Wort, sondern ein Flüstern, das sie ruft, als würde jemand wissen, wer sie ist.
Mit den Jahren wuchs in ihr die Gewissheit, dass ihre Eltern sie nicht einfach verlassen hatten. Etwas Größeres lag hinter ihrer Herkunft – etwas, das mit dem Zeichen, dem Wind und ihrer unruhigen Seele verbunden war.
Die Antwort kam in Form eines Traumes.
Sie sah ein endloses Labyrinth aus Stein, verschlungen und uralt. In seinem Zentrum erhob sich ein Turm, umgeben von Sturm und flackerndem Licht. Und dort, hoch oben, leuchtete das gleiche Symbol wie auf ihrem Tuch.
Als sie erwachte, wusste sie, dass es mehr als nur ein Traum gewesen war.
Das Labyrinth existierte. Und es rief sie.
Zephyros verließ die Sturmnest-Bastion nicht aus Undankbarkeit, sondern weil sie verstand, dass ihr Weg sie weiterführen musste. Die Wälder hatten sie geformt, die Bastion hatte sie geschützt – doch ihre Bestimmung lag jenseits davon.
Nun wandert sie durch Aventyr als Rangerin, geführt von Instinkt und dem leisen Flüstern des Windes. Sie sucht das Labyrinth, weil sie glaubt, dass dort die Wahrheit verborgen liegt: über ihre Eltern, über das Zeichen – und darüber, warum sie schon immer das Gefühl hatte, dass ihr Leben nicht mit einem Anfang begann, sondern mit einem Geheimnis.
Und tief in ihrem Inneren trägt sie eine Frage, die sie mehr fürchtet als jede Gefahr:
Wenn sie findet, was sie sucht – wird sie dann noch dieselbe sein?
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